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  • Anita Krenn

Führen und lassen

Aktualisiert: 28. Juni 2018

"Wie Gottes Plan mein Plan wurde"


Es war Anfang 2011, als ich das erste Mal merkte, dass ich fast am Ende meiner Kräfte war.

Eigentlich hatte ich dieses Gefühl schon am Anfang meiner Selbstständigkeit (Mitte 2008) das erste Mal vernommen, vielleicht könnte es sein, dass mir alles über den Kopf wächst.

Damals hatte ich mich mit meiner eigenen Firma, einem Musik-Management, selbstständig gemacht. Ich sang in mehreren Formationen (Bands, Duos, Trios), die vordergründig aus mir und einer damaligen Gesangskollegin bestanden.

Und es lief geschäftlich wirklich gut, und das, ohne groß Werbung machen zu müssen.

Wir spielten auf etlichen Trauungen, Bällen, Hochzeiten und diversen Events.

Leider kam dann dazu, dass ich mich ein paar Monate nach meiner Firmengründung aus mehreren, schwerwiegenden Gründen von eben dieser Gesangspartnerin trennen habe müssen.

Da stand ich nun…, im Dezember 2008. Alles worauf ich meine Selbstständigkeit damals begründet hatte, war dahin.

Aber ich wollte nicht so leicht aufgeben, gründete neue Bands, baute mir ein neues Konzept auf, so wie auch mein eigenes, nur noch auf mich zugeschnittenes, Management.

Und ich muss sagen, es lief besser als zuvor. Fast jedes Wochenende Auftritte, ein Verdienst der einen durchschnittlichen Angestellten neidisch gemacht hätte und eine neue Freiheit, die ich immer mehr genoss. Kein Chef, keine fixen Bürozeiten!

Aber die „neue“ Selbstständigkeit brachte auch Herausforderungen mit sich.

Ich war auf mich allein gestellt. Nicht nur mit der Auftrittsorganisation, den vielen Telefonaten oder persönlichen Gesprächen mit Brautpaaren, sondern auch mit harten Preisverhandlungen und anstrengenden Nächten bei Auftritten von bis zu 8 Stunden Spielzeit. Und ich war immer im Vordergrund, als die taffe Geschäftsfrau und Frontsängerin.

Ich muss hierbei auf jeden Fall erwähnen, wie dankbar ich meinem Mann bin, der mich immer unterstützt hat, besonders bei der jährlichen Einkommenssteuererklärung, wo ich in der Schule doch immer schon eine „gewisse“ Schwäche in Rechnungswesen aufweisen konnte ;-)

So sang ich nun über 4 Jahre hauptberuflich auf allen möglichen Bühnen. Angefangen von etlichen Kirchen, über kleine ländliche Gasthäuser bis hin zu Firmenevents mit mehreren tausend Menschen.

Ich will hier auch nicht den Eindruck erwecken, dass dies etwas schlechtes sei, schließlich hat es mir viele Jahre Spaß gemacht Menschen mit meiner Musik zu unterhalten. Ob es jetzt bei einer Hochzeit in der Kirche war, oder auch als Stimmungsmacherin in einem Wirtshaus bei einer Party. Überall waren immer wieder Momente, die nicht nur mein Publikum berührten, sondern auch mich!

Oft wurde ich auf Hochzeiten angesprochen, warum ich denn auf Hochzeiten singe… ich sollte doch schon wo ganz anders sein. Tja.. Das dachte ich mir auch, nur war das ein Traum, der sich mit der damaligen Realität einfach nicht verbinden ließ.

Ich wollte auf eigenen Füßen stehen, unabhängig sein. Und.. der typischen Aussage österreichischer Musiker: „in Österreich kann man von der Musik nicht leben“, entgegenhalten.

Und das gelang mir auch. Sehr gut sogar!

Wenn man es wirklich will, kann man es in Österreich schaffen von der Musik zu leben. Ich bin der lebende Beweis dafür. Aber wie gesagt, man muss es wollen, und man darf keine hohen künstlerischen Ansprüche stellen. Obwohl es sicher immer wieder Ausnahmen gibt, das möchte ich offen lassen.

Mein Problem an der ganzen Sache war immer, ich wollte mehr. Ich wollte immer mehr aus allem machen. Warum eine gute Kommerzband sein, wenn man eine ausgezeichnete sein kann? Leider teilten nicht immer alle Musiker, die mir in meinem „Musiker-dasein“ begegnet sind, diese Meinung. Weßhalb ich oft auf taube Ohren gestoßen bin und mir einige Male nur ein Ausweg blieb: Alleine weiter zu gehen. Weiterentwicklung war mir immer wichtig -Stehenbleiben ein Gräuel. Natürlich gab es auch hier Ausnahmen: gerade jene Bands und Musiker zum Beispiel, mit denen ich in den letzten 2 Jahren gearbeitet habe.

Während ich mich darauf konzentrierte Dinge zu erreichen, die damals anscheinend einfach nicht sein wollten – wie z.B. gegen das „Nichtstehenbleiben“ anzukämpfen usw., sah ich viele Musikerkollegen ihre Träume verwirklichen.

Ich schaute sie mir im Fernsehen an oder beobachtete ihre Internetauftritte auf YouTube, votete für sie, wenn es etwas zu voten gab und merkte, wie etwas in mir aufstieg, womit ich nie geglaubt hätte ein Problem zu haben: Neid.

Bitte nicht falsch verstehen, ich wünsche es wirklich jedem Erfolg zu haben, das kann ich vollen Herzens sagen. Trotzdem stiegen diese Gefühle in mir hoch, die ich zu verdrängen versuchte. Ich spürte wie weh Neid tun kann. Zum Glück half Gott mir immer wieder, diese Gefühle in den Griff zu bekommen.

Aber es tat richtig weh, immer wieder zu zusehen, wie es wiedermal so schien, jemand anderer hat es plötzlich geschafft, jemand anderer lebt meinen Traum „berühmt zu sein“. Den Traum auf einer beeindruckenden Bühne vor vielen Menschen im Rampenlicht zu stehen.

Ewig schon, seit ich zu singen begonnen habe, träumte ich davon, wie toll es sein musste auf einer richtig großen Bühne zu stehen, im Scheinwerferlicht (nicht nur als Vorgruppe zum Hauptakt, nachmittags, wo keine Scheinwerfer eingeschalten werden, da ja die Sonne scheint).

Wo man diese Wärme spürt und die Menschen durch das hell gleißende Licht nicht mehr wahrnimmt. Wo man sich vielleicht nicht mehr am WC des Wirtshauses in einer engen, kalten Toilette umziehen oder schminken muss, sondern wo man gestylt wird – von Profis.

Dieses „als Star“ behandelt zu werden, auch wenn es überheblich oder egozentrisch klingt, davon habe ich oft geträumt. Einige seltene Male hatte ich kleinere „traumhafte“ Erlebnisse, und daran hielt ich mich oft fest während der restlichen Zeit die verging. Nur ewig halten dich solche Dinge nicht über Wasser.

Bei vielen meiner früheren Auftritte war es eher ein „Durchhalten“ als ein „meinen Traum leben“.

Da waren zum Beispiel Situationen wie: Tanzpaare bei Bällen, die aus Betrunkenheit meinen Notenständer umwarfen, weil sie auf neben mir ausgeschütteten Getränken beim Tanzen ausrutschten. Oder wenn die Hochzeitsgäste schon vor dem Essen so betrunken waren, dass es nicht einmal aufgefallen wäre, wenn ein grüner Dackel an meiner Stelle gesungen hätte.

Ja, richtig herausgelesen, hier hört man Frust durch – aber so war es auch. Und wenn solche Dinge immer wieder passieren fragt man sich einfach: „Wozu hat mir Gott eigentlich diese Stimme bzw. Gabe geschenkt?“

Diese Frage hab ich mir sehr oft gestellt. Die Antwort für mich persönlich war immer: Um Menschen Freude zu bereiten, einen unvergesslichen Moment zu schenken. Und für mich als gläubiger Christ – um für Gott ein Zeugnis, ein Licht zu sein, um auf ihn hinweisen zu können.

Zurück zum Anfang des Jahres 2011, als ich plötzlich merkte: Hey… wo ist die Freude beim Singen geblieben? Warum ist es nur noch anstrengend? Warum quält mich die Vorstellung eine Minute länger singen zu müssen als vereinbart? Warum sitze ich nach fast jedem Auftritt auf meinem Zimmer, weine und zittere am ganzen Körper und hoffe, ich kann dem ganzen Irrsinn bald entfliehen?

Ich war am Ende, wusste nicht mehr weiter… und dann kam Gott, mit einer ganz sanften Stimme und sprach in mein Herz: „Hör auf damit!“. Und ich wusste genau, was er damit meinte.

Es war hart, weil ich wusste, er hatte das schon öfter gesagt, aber ich wollte es nie hören. Ich musste mich doch beweisen. Obwohl, ich frage mich gerade: Vor wem eigentlich? Tja, wahrscheinlich am meisten, mir selber.

Jetzt blieb mir keine andere Wahl mehr. Mir wurde immer bewusster, wie sehr ich mich gegen Gottes Plan gestellt hatte. Ganz deutlich sah ich all die verschlossenen Türen, die ich krampfhaft versucht hatte einzurennen und aufzutreten – mit aller Gewalt, alles aus eigener Kraft.

Mir schienen die letzen 4 bis 6 Jahre plötzlich so vergeudet, so wertlos.

An dieser Stelle möchte ich anmerken, dass ich mittlerweile davon überzeugt bin, dass alles zu dem beigetragen hat, wo ich heute bin, wer ich heute bin und was ich kann. Nichts war umsonst.

Aber in dieser Zeit erschien alles so wertlos.

Nur noch das von Gott zu mir persönlich gesprochene Wort zählte. Mir wurde klar, dass ich nichts anderes mehr wollte. Weil nichts sonst Sinn ergab bzw. ergibt.

Er sagte mir, ich solle alles hinlegen. Alles aufgeben. Auf ihn allein vertrauen.

Und das war das Schwerste für mich. Das war und ist die größte Herausforderung.

Zugeben zu müssen, ich hab´s nicht geschafft, nicht aus eigener Kraft. Ich kann so nicht mehr weiter. Ich bin am Ende und ich muss alles, was ich mir rein aus meiner eigenen Kraft erarbeitet habe, hinter mir lassen.

Es fing damit an, meine damalige Band aufzugeben. Ja, es gab immer wieder kleine Unstimmigkeiten, aber ich mochte bzw. mag die Jungs echt gern. Ich konnte viel durch sie und mit ihnen lernen. Und wir konnten zusammen lachen. Und einige „traumhafte“ Auftritte verdanke ich ihrem Einsatz. Dadurch war das wirklich ein schwieriger Schritt für mich.

Zu meiner großen Überraschung haben sie es super aufgenommen. Schließlich habe ich sie mitten in der Saison ohne Sängerin stehen lassen und das darauffolgende Jahr war auch nicht „auftragsfrei“. Das war sicher nicht einfach. Aber ich wusste, Gott will das so, darum werden sie sicher schnell jemanden finden, damit ein nicht allzu großer Schaden durch mein Ausscheiden entsteht. Und so war es dann auch. An dieser Stelle ein großes Dankeschön an die Band. Ich denke jeder von den Jungs weiß, wer damit gemeint ist.

Das war der erste von vielen schweren Schritten.

Aber ich merkte, wie Gott einfach voll hinter mir war und mich durch diese Zeit hindurch getragen hat.

Gott hat damals zu mir gesprochen: „Du gehst jetzt durchs Feuer, damit du dann glänzt.“. Heute verstehe ich immer mehr, was er damals gemeint hat.

Ich rückte immer näher zu ihm. Nicht nur durch das seelische Leid, welches diese Monate mit sich brachten. Auch durch diese Sicherheit, jetzt passiert alles mit Gott – nicht mehr durch mich, nicht mehr aus meiner eigenen Kraft heraus.

Viele Auftritte wurden abgesagt, da ich einfach seelisch wie auch körperlich nicht mehr in der Lage war stundenlange Auftritte zu absolvieren.

Viele belächeln heutzutage das Thema „Burnout“, das hab ich auch einmal. Dieses Wort hat sich abgenutzt und wird leider viel zu oft als Ausrede verwendet, das mag sein.

Ich bin in letzter Sekunde, Gott sei Dank, einem Burnout ganz knapp entgangen, dessen bin ich mir heute bewusst.

Mitten in dieser Zeit machte ich eine Ausbildung zum Vocal Coach in Wien. Kurz danach habe ich auch direkt in der Schule zu unterrichten begonnen.

Als ich merkte, dass ich nichts weitergeben kann, was ich selber nicht mehr besitze, nämlich Kraft und Energie, musste ich auch das vor Gott hinlegen und schlussendlich aufgeben.

Natürlich kämpfte ich um jede einzelne Sache, die Gott mir sagte, ich solle sie aufgeben.

Nicht, dass es noch so scheint, als wäre ich sofort bereitwillig gewesen alles hinter mir zu lassen. Nein, es war jedes Mal ein regelrechter Kampf.

Oft war es wie bei einer Gerichtsverhandlung. Nur ist Gottes Gerechtigkeit Gnade und Liebe. Und dafür bin ich sehr dankbar.

Jedenfalls, die Beweise, die ich Gott damals vorlegte, reichten ihm nicht und er hinterfragte sie.

Er fragte mich: „Warum glaubst du, willst bzw. kannst du diese Sache nicht aufgeben?“

Die Antworten waren im Endeffekt immer dieselben: „Ich will die Leute nicht enttäuschen!“, „Was werden die dann von mir denken?“, „Das kann ich doch nicht machen!“, „Ich kann sie doch jetzt nicht hängen lassen!“ und so weiter…

Gott zeigte mir welche Bedeutung Menschenfurcht in meinem Leben hatte. Sie stand eindeutig über Gott, was ihm nicht gefiel. Verständlich!

Und ich lernte, was die Aussage: „Gott und sein Reich an erste Stelle stellen“ bedeutet.

Ich ließ mich mein Leben lang davon bestimmen, was andere von mir halten und was sie über mich denken oder reden könnten. Warum war mir Gottes Meinung nie so wichtig gewesen?

Ich wollte einfach nicht auf ihn hören, weil es gegen „meinen“ Plan gewesen wäre.

Der Bibelvers: „Das Menschenherz macht Pläne – ob sie ausgeführt werden, liegt beim Herrn“ wurde mir ganz neu offenbart.

Und ich bin heute sehr dankbar und froh darüber!

Als ich es dann im November 2011 endlich geschafft habe alles aufzugeben und vor Gott hinzulegen, klopfte er erneut an mein Herz: „Steig aus dem Musik-Team in deiner Kirche aus“. Ich dachte: Das konnte nicht sein. Das konnte nicht Gottes Ernst sein.

Ich war zu diesem Zeitpunkt erst seit ein paar Monaten im Musik bzw. Lobpreis-Team und hab mich dort total wohl, angenommen und verstanden gefühlt. Es war so, als ob alle an einem Strang ziehen. Es war aber für mich, wenn auch unbewußt, noch die einzige Möglichkeit zu singen und meinen Traum irgendwie vielleicht doch noch näher zu kommen, vielleicht auf andere Art und Weise. Sozusagen ein letzter Hoffnungsschimmer.

Ich wurde in diesem Team so herzlich angenommen und man vertraute mir nach nur kurzer Zeit die Rolle des Lobpreis-Leiters zu, was mir total Spaß machte.

Das jetzt wieder zurücklegen. Einen Dienst für Gott?

Und doch spürte ich, es muss so sein.

Meine Motive waren wieder die Falschen. Tief im Herzen wollte ich Menschen gefallen und nicht Gott alleine. Somit legte ich auch diesen Dienst, schweren Herzens, hin.

Zu diesem Zeitpunkt hatte ich mit meiner Karriere als Sängerin regelrecht abgeschlossen und mich damit abgefunden.

Als dann meine beste Freundin an einem Sommertag im Freibad eine Äußerung tätigte, wofür ich ihr heute sehr dankbar bin, war das Thema für mich endgültig durch.

Sie sagte: „Weißt du, ich hab mir auch schon die Frage gestellt, warum es nicht klappt bei dir“. Nach einigen Wochen fiel mir dieses Gespräch und besonders dieser Satz wieder ein. Und erst als ich mich näher damit auseinandersetzte, begriff ich, „was“ sie da gesagt hatte.

Und erst dann sickerte es ganz langsam zu mir durch, vielleicht war mein Karriereplan einfach bis jetzt nicht der, den Gott für mich hatte. Vielleicht musste ich noch einiges begreifen, lernen, mich schleifen lassen, bevor ich zu größerem bereit war. Vielleicht war es auch gar nicht sein Plan, dass ich in der Welt einen gewissen Status erreichen sollte.

Gott allein weiß, was das Beste für uns ist. Nur manchmal, so wie bei mir, wird es einem erst relativ spät bewusst.

Nachdem ich mich damit abgefunden hatte, dass mein Plan einfach nicht aufgegangen ist, weil er eben nicht Gottes Plan war, tat es anfangs sehr weh. Aber ich freundete mich mit dem Gedanken immer mehr an.

Es war so befreiend, nicht mehr unter mit diesem Druck zu leben, ein bestimmtes Karriereziel zu erreichen oder „berühmt“ werden zu müssen. Endlich konnte ich mich mit Leuten unterhalten und es ging plötzlich nicht mehr um: „Wann hast du denn deinen nächsten Auftritt“ usw. Die Menschen um mich herum merkten langsam, dass sie mich auch nicht mehr danach fragen brauchten, weil es in dieser Hinsicht nichts mehr zu erzählen gab.

Ja, viele Menschen meldeten sich sogar plötzlich gar nicht mehr. Natürlich stellt man sich dann die Frage: „Was ist denn da los?“, „Bin ich nur als Sängerin interessant für die Leute?“ oder „Melden die sich nur, wenn sie was von mir brauchen?“ und ähnliches.

Und ja, dadurch wurde es manchmal in geselliger Runde auch stiller um mich und ich lauschte oft nur bei Gesprächen und gab dann hin und wieder eine Wortmeldung zum Besten. Aber es war einfach so unglaublich erleichternd nicht mehr „nur“ als „die Sängerin“ gesehen zu werden, sondern als einfach nur: „Ich!“.

Es war so schön, Momente wieder genießen zu können und echte Freude empfinden zu können. Leider war das auf meinem „Karriereweg“ irgendwo verloren gegangen.

Und leider bemerkt man es erst dann, wenn es üblicherweise schon zu spät ist.

Es war Dezember 2011 und ich hatte plötzlich keine einzige Verpflichtung mehr. Außer auf Gott zu vertrauen, mich körperlich und seelisch zu erholen und Gott an mir als Person, an meinem Charakter, arbeiten zu lassen.

Ich muss hier aber auch erwähnen, dass ich seit September offiziell schon meine Auszeit angetreten hatte, da ich den Dienst im Lobpreis nie als berufliche Aufgabe sah.

Das heißt ich war frei um mich endlich von Gott führen zu lassen. Mehr als 7 Jahre hat es gedauert, nachdem ich zum Glauben gekommen bin. Wenn ich mir das heute so durch den Kopf gehen lasse, ist das traurigerweise ganz schön lang.

Dass es ruhiger um mich wurde, heißt aber nicht, dass mir langweilig wurde.

Ich hatte endlich Zeit für Dinge, die schon viel zu lange auf der Strecke geblieben sind, wie zum Beispiel Songs zu schreiben oder fertig zu stellen, aber auch um die Natur zu genießen, haufenweise Schuhe zu designen und zum Glück auch sportlicher zu werden.

Natürlich musste ich immer wieder aufpassen, nicht wieder in alte Muster und Verhaltensweisen zurückzufallen.

In dieser Zeit legte Gott meinem Mann und mir aufs Herz, einmal im Monat, eine Bibelschule in München zu besuchen, wodurch wir Gott noch besser kennenlernen durften und besonders um zu lernen wie man Gottes Reden erkennt und auch versteht.

In Psalm 119,105 heißt es: „Dein Wort ist eine Leuchte für mein Leben, es gibt mir Licht für jeden nächsten Schritt.“ Und so war es dann auch. Es folgten kleine aber dennoch, aus heutiger Sicht betrachtet, wichtige Schritte für mein charakterliches wie auch geistliches Vorankommen.

Man könnte auch sagen, ich bin „geschliffen“ worden. Gott zeigte mir Dinge auf, die ich einfach nie gesehen hätte, wenn ich verweilt wäre auf meiner damaligen „Erfolgs-Tournee“ durch das „Tal der ewigen Qual des Leistungsdruckes“.

Aber jeder nächste Schritt war wichtig. In der Vergangenheit wie auch gerade in dieser Zeit.

Gott war mir mit seinem Rhema (das zu einem selbst, persönlich gesprochene Wort Gottes) ein Licht, um aus diesem Tal wieder herauszufinden. Ich bin ihm sehr dankbar, dass er mich von dort nicht nur herausgeleitet hat, sondern mir auch neuen Mut und die Kraft geschenkt hat ihm zu vertrauen, dass er einfach weiß, was mir gut tut.

Eigentlich wollte ich erst von hier ab mein sogenanntes „Testimony“ schreiben bzw. erzählen, aber ich merkte dann doch, dass ich die Geschichte davor einfach nicht weglassen kann, weil sie maßgeblich zu all dem beigetragen hat, wo ich heute mit Gott stehe.

Als ich im Juli 2011 meine Vocal Coach-Ausbildung abgeschlossen hatte, fuhr ich einen Tag nach dem Abschluss-Konzert mit meinem Mann und einer Kundin von ihm zu einem Gesangs-Casting nach München.

Wie es dazu kam? Ich bin eigentlich schon immer eher abgeneigt gewesen gegenüber Casting-Shows, da ich einfach schon zuviel gehört und gesehen habe, auch im Freundeskreis oder bei Gesangskollegen/innen.

Ein Freund hat mich kurz vorher gefragt, ob ich ihn nicht begleiten möchte zu diesem Casting. Ich war nicht wirklich begeistert von dieser Idee, lies mich dann aber doch überreden.

Da ich selber nicht fahren wollte, bot mein Mann an uns nach München zu fahren.

Aber da er das Auto noch nicht „voll“ hatte, fragte er eben eine 19 jährige, gesangsbegeisterte Kundin von ihm, Lisa (Name geändert) ob sie nicht mit wollte. Und sie sagte sofort zu.

Am Abschluss-Abend meiner Vocal Coach Ausbildung teilte mir mein Freund mit, dass er aus privaten Gründen nicht zum Casting nach München fahren könnte.

Im ersten Moment war ich schon ein bisserl beleidigt, da ich ursprünglich nie ohne ihn zum Casting gefahren wäre. Nun musste ich aber trotzdem, weil sich Lisa schon auf das Casting vorbereitet hatte und total darauf freute.

Na gut… gesagt, getan… wir fuhren am nächsten Tag zu Mittag los nach München.

Endlich dort angekommen, nach ca. 3 Stunden Fahrzeit, waren wir ca. 15 min in diesem Hotel, bei diesem Casting – den Namen möchte ich hier nicht nennen.

Eigentlich lief es für mich recht gut, da ich, nicht wie die meisten anderen, mehr als ein paar Töne singen durfte, sondern sogar zwei Songs.

Und trotzdem wurden alle Personen, die vorgesungen hatten, wieder nach Hause geschickt, inklusive Lisa und mir.

Ich muss zugeben, ich war ziemlich verdattert, da ich mir erwartet hatte, weiter zu kommen. (Mein für mich sehr erfolgreicher Auftritt bei meiner Vocal Coach Abschluss-Prüfung am Tag davor hat mich und mein Ego schon sehr motiviert und gepusht).

Als mich dann sogar die restlichen Teilnehmer beim Verlassen des Raumes (es waren alle Sänger gemeinsam beim Vorsingen) auch noch ansprachen und meinten: „Also zumindest du hättest weiterkommen müssen!“ sank meine Motivation und „Gepusht-heit“ vom Vortag in den Minusbereich.

Völlig verwirrt riefen wir dann meinen Mann an, er soll uns wieder abholen, es ist schon wieder alles vorbei.

Tja, so schnell kann es gehen: 3 Stunden Hinfahrt – 15 Minuten Casting – 3 Stunden Heimfahrt!!

Ihr könnt euch vielleicht vorstellen wie meine Laune beim Einsteigen in unser Auto war.

Ich war enttäuscht, sehr enttäuscht.

Nicht nur vom Casting. Auch, weil ich Gott gebeten hatte mir Weisheit zu schenken, ob ich das überhaupt machen sollte, und er hatte es mir damals sehr eindeutig, sogar mehrmals bestätigt.

Im Auto wurde dann viel gesprochen, zwischen meinem Mann und Lisa. Ich versank die nächsten 2 Stunden in Selbstmitleid, Selbstvorwürfen („Warum hast du das überhaupt gemacht?“). Fragen, Fragen, Fragen. An mich, an Gott…

Irgendwann konnte ich meine Tränen nicht mehr unterdrücken. Gott sei Dank war es schon dunkel draußen und ich konnte sie geschickt verbergen. Es wäre mir einfach total unangenehm gewesen, als große, doch so erwachsene, Geschäftsführerin und seit einem Tag, Frau „Vocal Coach“, ein so – für alle – fast „belangloses“ Ereignis – mir als persönliche, zutiefst schmerzvolle Erfahrung eingestehen zu müssen. Aber so war es.

Alles was in den letzten Monaten so passiert war, kam wieder hoch.

Und immer wieder kamen Fragen wie: „Gott, wozu war das jetzt gut? Musste das sein? Hab ich nicht schon genug erlebt?“ In Gedanken versunken vergingen die nächsten 2 Stunden.

In der letzten Stunde der Fahrt lauschte ich weiter den Gesprächen und klinkte mich irgendwann wieder ins Gespräch ein, als mein Mann Lisa von unserer Ehe und der Beziehung zwischen uns und Gott erzählte.

Lisa hatte nämlich gerade zu der Zeit heftige Beziehungsprobleme mit dem Vater ihres Kindes. Und sie war voll davon überzeugt, dass es Gott nicht gibt. Und falls doch, wollte sie von ihm nichts wissen.

Mein Mann erzählte ihr, wie wichtig Gott in unserer Ehe ist und dass wir ohne ihn vielleicht gar nicht zusammen wären usw.

Ich merkte plötzlich, dass ich leise zu beten beginnen sollte, während er sprach, einfach als Unterstützung. Wenn ich etwas zum Thema sagte, merkte ich, wie er betete.

Wir spürten beide, dass da im Auto plötzlich irgendetwas geschah, wovon wir beide in dieser Situation, gerade ich in meiner Gemütslage, ziemlich überrascht waren.

Lisa, die doch sonst sehr gesprächig ist, wurde immer stiller am Rücksitz und lauschte unseren Erzählungen.

Die geistliche Atmosphäre änderte sich und wir merkten, welche Autorität die Worte bekamen, die wir aussprachen. Gott war voll da, mit jedem Wort, in jedem Gedanken.

Das junge Mädchen am Rücksitz war anscheinend sehr aufmerksam geworden und sagte plötzlich: „Also, wenn ich euch so zuhöre, kann ich irgendwie gar nicht mehr glauben, dass es keinen Gott gibt“.

Wow, ich erwachte auf einmal aus meinem „Selbstmitleids-Tiefschlaf“ und staunte nicht schlecht als sie dann noch dranhängte: „Sagt mal, in die Kirche wo ihr da hingeht, kann ich da mal mitkommen?“

Diese Worte trafen mich wie ein dumpfer Schlag ins Herz. Nicht nur, weil wir erlebten, dass jemand von ganzem Herzen Gott suchte und kennenlernen wollte, und zwar ohne, dass wir ihn hätten überreden müssen oder irgendwohin einladen mussten. Nein, sondern auch, weil mir in diesem Moment Gott Einsicht in seinen Plan gab.

Auf einmal wurde mir bewusst, warum wir 6 Stunden nach München hin und zurück gefahren sind. Es war gar nicht wegen mir, nicht wegen meiner großen Karriere im Fernsehen, nein… Es war wegen Lisa. Damit sie Gott näher kommt, ihn kennenlernt.

Sie hatte die Hauptrolle in diesem Stück, nicht ich. Sie war Gott so wichtig, dass er es zugelassen hat, mich verletzt zu sehen. Und trotzdem hat er aus dieser, für mich so enttäuschenden Situation etwas so gutes und wertvolles für mich hervorgebracht.

Ich erkannte wie selbstzentriert ich war. Ich wusste zwar damals schon, ich sollte alles aufgeben und Gott vertrauen, ihm alles überlassen. Aber ich wusste noch immer nicht, was es heißt, Gott an erste Stelle zu setzen. Wieder einmal nicht mehr meinen Plan zu verfolgen, sondern Gottes Plan.

Mir war nicht klar was es heißen würde, wenn es sich auf einmal nicht mehr um mich drehen würde, sondern um das, was Gott wollte und vorhatte.

Und wieder liefen mir die Tränen übers Gesicht, diesmal vor lauter Beschämung, vor lauter Schmerz, der sich aber in wenigen Sekunden in totale Freude verwandelte. Und zwar, weil ich endlich eine Offenbarung über den Satz „Gottes Reich an erste Stelle stellen“ hatte.

Ich kann es hier leider gar nicht so gut beschreiben, weil es so ein unglaubliches aber auch so persönliches Erlebnis zwischen mir und Gott war.

Jahrelang hatte ich alles versucht um meinen Plan durchzuboxen. Ich glaubte ernsthaft, nur weil es in der Gemeinde vorgesagt und von mir immer wieder nachgesagt wurde, würde dieser Satz: „Gottes Reich an erste Stelle stellen“ in mir wahr werden, gelebt werden. Obwohl ich es immer von Herzen wollte, hab ich es nie umsetzen können, weil mir die Offenbarung über dieses Wort Gottes fehlte.

In diesem Moment im Auto wurde in wenigen Minuten alles so klar und ich erkannte, was in meiner Vergangenheit so schief gelaufen ist. Ich merkte auch, wie sich Wut in mir aufbaute. Aber selbst diese Wut verwandelte sich in sekundenschnelle in ein tiefes Verlangen. Das Verlangen Gott näher zu kommen, ihn besser kennenzulernen und nach seinem Plan zu leben und zwar nur noch ausschließlich seinen Plan. Alles andere ergab plötzlich keinen Sinn mehr.

Und so kam es dann auch.

Ab diesem Zeitpunkt fiel es mir wesentlich leichter Dinge zu streichen, die mir vorher immer so wichtig erschienen.

Ich lernte meinen himmlischen Papa immer besser kennen und erlebte eine außergewöhnliche Zeit während der nächsten Monate.

Wie schon vorher geschrieben, ich gab alles auf. Ich war vollkommen frei von Verpflichtungen und hatte endlich Zeit um mir klar zu werden, was Gott für mich eigentlich wollte und wer ich in seinen Augen bin. Eine wertvolle Tochter Gottes! Auch ohne etwas leisten zu müssen!

Mitte Oktober flogen mein Mann und ich nach Mallorca auf eine christliche Freizeit und ich war entspannt wie nie zuvor. Es war eine tolle Zeit, die uns im Glauben sehr ermutigte.

Im November erhielt ich, sehr zu meiner Verwunderung, eine E-Mail, in der ich gefragt wurde, ob ich nicht Interesse hätte an einem anderen Gesangs-Casting für eine neue Talentshow in Deutschland teilzunehmen.

Ihr könnt euch sicher meine Reaktion vorstellen, oder?!

Ich dachte mir sofort: „Oh Mann, nein danke, nie wieder. Einmal hat mir diese Casting-Geschichte gereicht!“

Aber irgendwie ließ mich diese E-Mail in Gedanken nicht los, bis ich dann zu Gott einige Tage später sagte: „Herr, du weißt, ich will dort sicher nicht hin! Du weißt, wie enttäuschend das Ganze war, und ich kann mir nicht vorstellen, dass so was wie mit Lisa nochmal passiert – Also was soll das?“. Die Gedanken kamen immer wieder – aber keine Antwort!

Ich machte daraufhin einen kleinen Deal mit Gott aus. Ich sagte zu ihm: „Also, ich fahre sicher nicht mehr extra nach Deutschland wegen so einer Sache. Wenn du das wirklich willst, dann muss der Casting-Termin genau an dem einen Tag sein, an dem wir einmal im Monat in Deutschland in der Bibelschule sind. Und dann muss er noch in München sein, wo auch die Bibelschule ist. Ich fahr sonst sicher nicht!“

Daraufhin bekam ich eine Antwort von Gott. Es gab 6 Castingtermine in 6 verschiedenen Städten. Zu dieser Zeit gab es aber nur noch einen Casting-Termin. Den letzten von 6 Terminen. Und jetzt dürft ihr raten…

Ja, es war an dem einen Tag, wo die Bibelschule stattfand. Und ja, es war in München.

Allein das war schon unglaublich für mich.

Trotz diesem, würd ich mal behaupten, eindeutigen Wink, spürte ich in meinem Inneren noch immer eine riesengrosse Abneigung mich für dieses Casting zu bewerben.

Ok, ich habe mich damals im Auto entschieden Gott nachzufolgen, seinen Plan zu tun, egal was es koste, aber jetzt brauchte ich eindeutige „Zeichen und Wunder“! Sozusagen Bestätigungen um mir noch klarer bewusst zu werden, wie deutlich Gott eigentlich zu mir spricht, wenn ich nur hinhöre oder besser gesagt, hinhören will.

Alle Zweifel abzulegen, sich nur noch auf Gottes Weisheit zu verlassen, ihm alles anzuvertrauen. Ein harter Kampf für jemanden wie mich, der in den letzten Jahren doch so verzweifelt versucht hatte, die Kontrolle zu behalten!

Mein Mann war sofort, als ich ihm von der Mail und dem „zufällig richtig datierten Castingtermin“ erzählte, total begeistert. Noch begeisterter war er, als ich ihm erzählte, dass der Sieger mit 1 Million Euro nach Hause geht.

Natürlich merkte er, wie ich mich noch dagegen sträubte, weil er eben wusste, wie hart es das letzte Mal für mich war, aber er gab nicht auf mit seinen Überredungskünsten.

Er beschloss, wir machen noch einen Deal mit Gott. Er hatte auf einem Seminar gehört, dass Gott auch durch bestimmte Zeichen oder Symbole wie z.B. Autoschilder, Dinge bestätigen kann (ja, ich lachte anfangs auch noch).

Er meinte im Gebet, wenn Gott will, dass ich dort hingehen soll, wo wir ja schon dort sind wegen der Bibelschule, dann soll er uns ein Auto mit dem Kennzeichen 777 über den Weg schicken.

Tja, in den folgenden Tagen sah er mehrmals dieses Kennzeichen und war überzeugt, ich müsse zu dem Casting. Als wir dann eines Tages zusammen das Kennzeichen sahen, war es für ihn eindeutig. Für mich leider noch nicht, weil ich einfach den Gedanken nicht ertragen konnte, wieder eine herbe Enttäuschung erleben zu müssen.

Noch dazu, weil ich eigentlich in den vorigen Monaten mit meiner „Gesangs-Karriere“ für mich persönlich abgeschlossen hatte.

Ich habe dann auf Anraten meines Mannes den Bewerbungsbogen ausgefüllt und hingeschickt. Aber ich habe extra angemerkt, dass ich eine Schulung habe und nicht wie alle anderen um 10 Uhr vormittags kommen kann, sondern erst nach der Schulung, so gegen 17 Uhr. Damit dachte ich, sei das Thema sowieso erledigt.

Aber nein, es kam ein sehr freundliches Mail von der Redaktion zurück, dass es dann aber „letzte Eisenbahn“ wäre, weil das Casting eigentlich nur bis 16 Uhr dauert. Ich soll mich einfach beeilen.

„Hääää? Wo gibt es denn so was?“ hab ich mir gedacht. Jetzt warten die auch noch auf mich. „Heißt das, ich muss jetzt wirklich dorthin?“

Gegen ca. 16 Uhr am Tag des Castings saß ich in der Bibelschule in München und hatte regelrechte Kämpfe auszufechten. „Ich will nicht hin!! – Aber ich will doch Gottes Willen tun?“

Ich wusste echt nicht weiter.

Am Anfang des Tages, in der Bibelschule, habe ich nochmal zu Gott gesagt: „Hey, wenn dir das wirklich so ernst ist, zeig mir nochmal die 777 auf einem Auto“, dachte aber nicht wirklich drüber nach, dass ich den Schulungsraum bis Abends nicht mehr verlassen würde. Die Möglichkeit während des Tages noch ein Auto mit diesem Kennzeichen zu sichten war demnach eigentlich gleich Null.

Also, es war nach 16 Uhr und mein Mann kam gerade aus der Kaffeepause zurück und sagte: „Jetzt hör mal gut zu, du hast einen Deal mit Gott gemacht und jetzt hat er dir eine Bestätigung gegeben und du sträubst dich noch immer? So nicht, wir fahren jetzt. Komm!“

Tja, und dann fuhren wir gegen 17:00 zum Casting, viel zu spät natürlich. Und jetzt kommt’s! Auf dem Weg dorthin überholte uns ein Lastwagen und fuhr vor uns her.

Nochmal dürft ihr raten, welches Kennzeichen der Lkw hatte.

Ja, es war die 777!!!

Als ich das Hotel betrat, wo das Casting stattgefunden hatte, waren alle Mitarbeiter schon mit Abbauarbeiten beschäftigt. Teilnehmer waren schon lange keine mehr da – Nur noch ich.

Eigentlich ging alles sehr schnell.

Ich sang meine Songs vor, kam in den nächsten Raum, sang dort nochmal vor mehreren Leuten vor, kam in den nächsten Raum, gab ein kurzes Interview vor laufender Kamera und dann war ich schon wieder fertig.

Mir wurde gesagt, dass ich irgendwann zwischen Weihnachten und Silvester erfahren werde, ob ich in der nächsten Runde bin.

Mit hocherhitztem Kopf bin ich aus dem Hotel raus und ins Auto rein. Ich konnte noch gar nicht realisieren, was dort so abgegangen ist. Für mich war alles so „unwirklich“, aber irgendwie doch gut!

Für den Moment war ich leicht überfordert mit der Tatsache, dass es diesmal anders gelaufen war, als ich es mir erwartet hatte. Einfach, weil ich Gott alles in die Hand gelegt hatte und ihm vertraut habe. Es war ein sehr friedliches aber natürlich gleichzeitig auch sehr aufregendes Gefühl.

Weihnachten und die Feiertage vergingen und wir verbrachten eine wunderschöne Zeit mit unseren Familien, Freunden und besonders mit Gott.

Ich sprach immer wieder mit Gott über dieses Casting und dass es mir egal wäre was da raus kommt, ich verlasse mich da komplett auf ihn. Irgendwie machte ich mir keine großen Hoffnungen. Natürlich war es immer mein Traum auf so einer tollen Fernsehbühne zu stehen und zu singen. All das zu erleben, was aus meiner damaligen Sicht immer nur die anderen erleben durften. Aber etwas hatte sich verändert. Ich wollte es nicht mehr um jeden Preis.

Ich wusste, wenn ich auf Gott höre und seinen Willen tue, dann erwarten mich wunderschöne Momente. Auch wenn ich nie wieder auf einer Bühne stehen würde.

Und auch dann, wenn sich dieser Traum nicht mehr erfüllen würde.

Während einer Gebetszeit irgendwann Ende Dezember sagte mir Gott eines Tages einen Satz, den ich nie vergessen werde: „Weil du mir so wichtig bist, werde ich dir diesen Wunsch erfüllen“.

Ich wusste genau, was gemeint war und war tief betroffen. Ich konnte in diesem Moment gar nicht fassen, was er mir da so deutlich gesagt hatte.

Tief im Herzen hab ich gewusst, es wird so sein. Ich habe diesen Satz nirgendwo aufgeschrieben, außer in meinem Herzen. Ich habe auch niemanden in dieser Zeit davon erzählt, nicht mal meinem Mann. Ich behielt dieses Wort für mich. Vielleicht könnt ihr verstehen warum.

Anfang Jänner war es dann soweit. Ich erhielt einen Anruf von der Redaktion der Casting-Show: „Du weißt, warum wir anrufen? Du bist eine Runde weiter! Wir freuen uns total!“

Und ich freute mich auch! Sehr sogar, obwohl es ja noch nicht hieß, dass ich dann letztendlich wirklich in die Show kommen würde, war es ein Erfolgserlebnis.

Ein paar Tage später flog ich schon nach Berlin. Alle Kosten für Flug und Übernachtung wurden bereits von der Redaktion übernommen.

Und auch wenn es im Gegensatz zu allem anderen unbedeutend wirkt, ich saß in einem Flieger, links und rechts neben mir waren die Plätze frei (die, die mich näher kennen, wissen, dass ich gern ein bisserl Platz hab, rund um mich, egal wo, aber besonders in einem Flugzeug). Ich bete jedes Mal, wenn ich in einen Flieger steige, dass bitte neben mir frei sein soll, damit ich unbeobachtet meine Flugangst im Gebet bekämpfen kann.

In Berlin hatte ich eine super Zeit. Auch weil ich dort ein sehr nettes Mädel, Katja (Name geändert) kennenlernen durfte, mit der ich mich auf Anhieb sehr gut verstand. Als wir dann noch merkten, dass unsere Stimmen gut miteinander harmonieren könnten, sangen wir miteinander zwei Songs durch und merkten ziemlich nach dem ersten gemeinsam gesungenen Refrain des Songs „Tell him“ – Wow… das ist kein Zufall, dass wir uns getroffen haben… das passt.. und wie!!

Von der Idee angetan zusammen zu singen, sangen wir direkt nach unserem jeweiligen Einzel-Vorsingen in der Kategorie „Solosängerinnen von 18-39“ auch für die Kategorie „Duos und Gruppen“ (mit Einverständnis der Redaktion) vor. So hatte jeder von uns auf jeden Fall noch eine weitere Chance in die letzte Runde, was dann heißen würde, direkt in die Show zu kommen. Und diese Chance wollten wir uns natürlich beide nicht entgehen lassen.

Irgendwie gefiel uns auch der Gedanke, dass es vielleicht ganz angenehm wäre zu zweit in so einer Show anzutreten, weil man jemanden hat mit dem man diese ganze Aufregung, alles Neue, den Druck und natürlich die Freude darüber teilen könnte.

Obwohl ich natürlich schon etwas Bauchweh hatte, wieder als Duo aufzutreten, da dieser Versuch beim letzten Mal doch kläglich gescheitert war und sogar ein Gerichtsverfahren hinter sich gezogen hatte, das erst Mitte 2011 endlich abgeschlossen werden konnte. Näher möchte ich gar nicht drauf eingehen, ist eine zu lange Geschichte. Jedenfalls war ich ein gebranntes Kind im Bezug auf das Thema „Duo“. Trotzdem fand ich, das es einen Versuch wert war.

Ich muss wirklich sagen, dass ich noch nie im Musikbusiness auf jemanden getroffen bin wie auf Katja. Sie ist mit solch einer Leidenschaft Vollblutmusikerin und Profi, wie man es sich nur wünschen kann. Und auch menschlich gesehen, haben wir uns gleich von Anfang an sehr gut verstanden!

Wenn ich das vorher jemanden erzählt hätte, hätte ich sagen müssen: „Es wäre wirklich ein Wunder in Deutschland unter so vielen gerade auf diese eine Sängerin zu treffen, ohne sie vorher lange zu kennen oder je mit ihr gesungen zu haben, wo man sofort weiß, dass es stimmlich bzw. musikalisch wie auch menschlich vom ersten Moment her passt“.

Aber es war so ein Wunder.

Mir ist so was vorher noch nie passiert, aber ich bin echt froh drüber!

Was ist weiter passiert? Nachdem wir jeder einzeln vorgesungen hatten, haben wir eben auch zusammen als Duo vorgesungen. Nicht nur die Coaches, sondern auch die komplette Jury war von der Idee begeistert uns zu zweit in die Show zu schicken, weil wir uns so perfekt ergänzen und zusammen noch eins drauf legen würden zu unseren Einzelperfomances.

Ich muss auch sagen, es hat vom ersten Moment an echt Spaß gemacht und es war einfach ein Genuss mit ihr zu singen. Wir atmeten hin und wieder sogar unabsichtlich zur gleichen Zeit beim Singen (das ist viel wert – für Nichtmusiker).

Meine Angst, wieder so etwas zu erleben wie damals mit meiner langjährigen Duettpartnerin legte ich in Gottes Hand. Schließlich hat Gott mich hierher geführt. Er wusste was er machte. Und er weiß es noch immer!

Soweit so gut. Jetzt hieß es wieder – WARTEN. Und zwar darauf, für wen sich das Produzenten-Team der Show sich letztendlich entscheiden würde.

Schließlich gab es 8 Kategorien und in jeder Kategorie nur die besten 8 Acts. Und die wiederum aus vielen tausenden Bewerbern.

Katja und ich blieben ab diesem Zeitpunkt in Kontakt. Wir waren vor der Abreise vom Casting noch gemeinsam essen und unterhielten uns einige Stunden.

Ich fand und finde es noch immer total interessant und cool, dass wir echt sehr viel gemeinsam haben. Sie ist nicht nur Sängerin, hat Jazzgesang studiert, hat ein eigenes Studio, ist eine Tüftlerin, Photoshop-Nutzerin, sondern ihre Mutter ist sogar gebürtige Steirerin. Wo ja unsere halbe Family auch aus der Steiermark kommt. Jedenfalls gibt es sehr viele Parallelen.

Und manchmal lässt sie auch den österreichischen Dialekt raushängen mit Worten wie z.B. „grausen“ oder „raunzen“ usw. Dadurch waren Lacher garantiert und Verständigungsschwierigkeiten so gut wie aus dem Weg geräumt!

Die darauffolgende Zeit war sehr spannend aber auch nervenaufreibend. Schließlich stand ich nur noch einer Entscheidung entgegen in eine echt coole Fernsehshow im deutschen Fernsehen zu kommen oder eben nicht.

Noch dazu befand ich mich eigentlich mitten in meiner „Auszeit“ wo ich ständig aufpassen musste, mich nicht zu überfordern (besonders gedanklich) oder aber auch wieder in alte Muster zu fallen.

Die Zeit des Wartens war für mich eine große Herausforderung was das Thema Erwartung vs. Hoffnung betrifft. Natürlich hoffte ich, dass ich oder vielleicht auch wir als Duo in die Show kämen.

Ich traute mich niemanden davon erzählen, weil ich Angst hatte – was, wenn es dann doch nichts wird? Tja, da war sie wieder die allseits beliebte „Menschenfurcht“.

Es war ein „Hoffen“, aber auch ein „nur nicht zu große Erwartungen haben“. Es war ein „sich nicht freuen trauen“, ein „Angst haben vor einer weiteren Enttäuschung“.

Ich musste ganz bewusst diese Angst an Gott abgeben, weil ich schon Magenprobleme dadurch bekam, weil ich meine Gefühle nicht zulassen wollte bzw. konnte.

Mit dem Ablegen dieser Furcht vor Enttäuschung und dem bewussten Zulassen der Freude verschwanden auch die Magenschmerzen, Gott sei Dank!  Gottes übernatürlicher Friede und natürlich auch ein paar liebe Menschen die mir zu Seite standen waren in dieser Zeit eine große Hilfe!

Ich sagte einfach zu Gott: „Herr, auch wenn das nix wird, es war schon bis jetzt so ein Erlebnis, danke! Und falls es wirklich was wird, freu ich mich einfach voll, selbst wenn es nur eine Show ist – aber es würde sich endlich mein Traum erfüllen, ein Auftritt auf einer tollen Fernsehbühne – ich nehme es einfach wie es kommt und natürlich werde ich mein Bestes dafür geben! Dein Wille geschehe“

Ca. 2 Wochen nach dem Casting in Berlin erhielt ich einen Anruf.

Die Jury wie auch das Prodzuenten-Team war so begeistert von unserem Auftritt als Duo, dass sie uns gerne in dieser Besetzung in der Show haben wollten.

WOW… das war’s jetzt also. Die Bestätigung auf den Satz den ich nie vergessen werde „Weil du mir so wichtig bist, werde ich dir diesen Wunsch erfüllen“ by God.

Ich konnte es kaum fassen… Das, was ich mir nicht mehr zu erhoffen gewagt hatte, traf ein. Und nicht weil ich es um jeden Preis wollte und dafür meine ganze Kraft aufgewendet hatte – Nein, weil Gott es wollte! Er hat die Führung in meinem Leben übernommen, die ich ihm anvertraut habe. Ich konnte damals nicht mehr anders. Ich wollte auch nicht mehr anders. Und das war das Ergebnis. Ich wurde von vielen tausenden Bewerbern ausgewählt.. als einzige, teilnehmende Österreicherin in einer grossen deutschen Fernsehshow! Ich war so begeistert, das kann ich gar nicht beschreiben!

Der Moment in dem ich glänzen kann, ist da. Ich bin durchs Feuer gegangen, oder besser gesagt, Gott hat mich auf seinen Händen durchgetragen. Genauso, wie er es mir schon vor einigen Monaten gesagt hatte.

Gott erfüllt mir meinen Traum! Und nicht nur das… er zeigt mir auch, was möglich ist – MIT IHM und DURCH SEINE Kraft – selbst oder gerade dann, wenn ich schwach bin.

Der Bibelvers, der mich in dieser Zeit am meisten geprägt hat und mich wahrscheinlich ewig begleiten wird lautet: „Überlasse dem Herrn die Führung in deinem Leben; vertrau doch auf ihn, er macht es richtig!“ (Psalm 37,5)

Und somit gehe ich weiter und bin schon sehr gespannt, was noch passieren wird.

Mit einer erwartungsfreien Hoffnung in vollem Vertrauen dass Gott weiß, was für mich das Beste ist!

Ich halte euch am Laufenden…

Alles Liebe, A.

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